Wie schon im Vorfeld erwähnt
ist die Blutknappheit hier in Haiti immer wieder ein Problem. Dieser Umstand
führt dazu, dass man in der Not zu einer Massnahme greift, die bei uns in der
Schweiz nur noch historische Bedeutung hat.
So geschehen letzte Woche...
Eine 30-jährige
erstgebärende Patientin hat aufgrund eines Geburtsstillstands einen
Kaiserschnitt erhalten.
Etwa 5 Stunden nach der erfolgreichen Operation
präsentiert sie sich im hämorrhagischen Schock (Kreislaufzusammenbruch aufgrund
einer massiven Blutung). Der Gynäkologe kann mittels Ultraschall schnell
feststellen, dass die Blutung innerhalb des Bauchraums stattfindet und sofort
wird die Patientin in den Operationsraum gebracht.
Das Problem ist nun, dass
die Patientin die Blutgruppe B negativ hat und es keine einzige Blutkonserve im Labor gibt.
Ihre Blutwerte sind schon bedrohlich tief und die sofortige Operation zur
Blutstillung ist unvermeidlich.
Nadine Compet unsere
haitianische Anästhesistin schaut uns an und sagt: dann machen wir halt eine
Autotransfusion!
Was heisst das konkret? Man
nimmt das Blut, welches sich im Bauchraum der Patientin angesammelt hat und
transfundiert dieses ungefiltert und ungereinigt zurück. Theoretisch schon einmal
gehört, praktisch noch nie gesehen und schon gar nie gemacht.
Aber es ist die einzige
Chance für die Patientin und so machen wir es dann auch. Der Chirurg kann die
Blutung leider nur stoppen, indem er die Gebärmutter der Patientin entfernt.
Es ist erstaunlich wie
stabil die Patientin während der Operation bleibt und noch erstaunlicher ist
es, wie schnell sie sich vom Eingriff und der lebensbedrohlichen Situation
erholt hat.
Mutter und Kind geht es
hervorragend.


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