Samstag, 14. Juni 2014

Autotransfusion

Wie schon im Vorfeld erwähnt ist die Blutknappheit hier in Haiti immer wieder ein Problem. Dieser Umstand führt dazu, dass man in der Not zu einer Massnahme greift, die bei uns in der Schweiz nur noch historische Bedeutung hat.







So geschehen letzte Woche...
Eine 30-jährige erstgebärende Patientin hat aufgrund eines Geburtsstillstands einen Kaiserschnitt erhalten.
Etwa 5 Stunden nach der erfolgreichen Operation präsentiert sie sich im hämorrhagischen Schock (Kreislaufzusammenbruch aufgrund einer massiven Blutung). Der Gynäkologe kann mittels Ultraschall schnell feststellen, dass die Blutung innerhalb des Bauchraums stattfindet und sofort wird die Patientin in den Operationsraum gebracht.
Das Problem ist nun, dass die Patientin die Blutgruppe B negativ hat und es  keine einzige Blutkonserve im Labor gibt. Ihre Blutwerte sind schon bedrohlich tief und die sofortige Operation zur Blutstillung ist unvermeidlich.


Nadine Compet unsere haitianische Anästhesistin schaut uns an und sagt: dann machen wir halt eine Autotransfusion!
Was heisst das konkret? Man nimmt das Blut, welches sich im Bauchraum der Patientin angesammelt hat und transfundiert dieses ungefiltert und ungereinigt zurück. Theoretisch schon einmal gehört, praktisch noch nie gesehen und schon gar nie gemacht.
Aber es ist die einzige Chance für die Patientin und so machen wir es dann auch. Der Chirurg kann die Blutung leider nur stoppen, indem er die Gebärmutter der Patientin entfernt.
Es ist erstaunlich wie stabil die Patientin während der Operation bleibt und noch erstaunlicher ist es, wie schnell sie sich vom Eingriff und der lebensbedrohlichen Situation erholt hat.
Mutter und Kind geht es hervorragend.




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